Obwohl ich inzwischen schon seit drei Monaten wieder dem katholischen Kulturkreis verhaftet bin, habe ich mich an einige Dinge immer noch nicht gewöhnen können. Bier zum Beispiel. (Ok, das ist nicht unbedingt typisch bayrisch, aber ich spiele jetzt mal ein bisschen mit den üblichen Klischees.) Die barocke Architektur. Die rigiden, arbeitnehmerunfreundlichen Ladenöffnungszeiten (wie, kein Späti hier?). Und – aus akutem Anlass – Fasching.

Fasching ist für mich ein rotes Tuch. Natürlich war auch ich irgendwann mal Prinzessin, sogar Indianer (Indianer, klar? Nicht Squaw!). Aber seitdem ich einen freien Willen besitze und noch dazu die gesetzliche Legitimität zum Vollkoma, habe ich mich von solchen sinnentleerten Massenveranstaltungen ferngehalten (Vollkoma kann man sich auch woanders holen, siehe Späti). Mir fehlt einfach der passende Humor für die Kollektiv-Maskerade.

Insofern habe ich, die ich in den letzten 48 Stunden nicht einen einzigen Krapfen verdrückt habe, trotz aschermittwöchlicher Grundstimmung im katholischen München kein schlechtes Gewissen. Schokolade, Wein, Fisch & Fleisch werden auch in den kommenden Wochen bis Ostern hin und wieder den Weg zu mir finden, denn – ich gebe es zu – Askese ist nicht unbedingt meine Stärke. Außerdem halte ich die Fastenzeit, sofern man sie nicht aus tiefreligiösen Beweggründen betreibt, für genauso unsinnig wie die nie, wirklich nie funktionierenden guten Vorsätze zum neuen Jahr.

Aber ein bisschen gesünder essen, das wollen wir doch alle (hin und wieder), oder? Ich verzichte also (wie bisher) konsequent auf alles, was sich noch bewegt, aus der Tüte kommt, einfarbig ist und nicht schmeckt. Reicht das aus für die Teilnahme am Blog-Event „Verzicht mit Genuss“,  den Julia von German Abendbrot ausgerichtet hat?

Spass beiseite (Fasching ist ja vorbei): Fleischlose Kost ist für mich, wie für so viele bewusst essende Menschen, keine Last, sondern Lust. Dass sich hier zwischen die ohnehin überproportional vertretene Gemüseküche ab und an auch das ein oder andere Stück Lachs oder Filet schmuggelt, tut dem keinen Abbruch.

Beginnen wir also mit einem leckeren, sättigenden und überaus appetitlichen Quinoa-Salat, der sowohl lauwarm (ergo frisch zubereitet) als auch am nächsten Tag als transportfähiger Lunch jedes Wiener Schnitzel toppt – und das nicht nur optisch. Auch in puncto Eiweißgehalt spielen die nussigen Körner in der oberen Liga – und übertreffen mit gut 15 Prozent andere Getreidesorten wie Hafer, Weizen, Reis und sogar Amaranth. Allergenarm,  glutenfrei, vollgepackt mit Aminosäuren, ungesättigten Fettsäuren und Vitaminen – ist das gesund, oder was???!

Bei so einem Parade-Nährstoffprofil muss zumindest ein bisschen Schokolade drin sein. Nur ein kleines bisschen, gut getarnt im aromatischen Dressing, das wohl dosiert über den Quinoa geträufelt wird.

Kleine Tricks sind schließlich erlaubt. Aber: Psssst!

Bunter Quinoasalat mit Gemüse und Kräutern

Zutaten

  • 100 g Quinoa bunt (rot, weiss und scharz) (gibt es z.B. von Rapunzel im Bio-Laden)
    100 g Cherrytomaten
    1 kleine Gärtnergurke (oder 1/4 normale Gurke)
    2 enthäutete, eingelegte Paprikaschoten aus dem Glas
    je 2 Stängel Minze, Kerbel, Koriander und Basilikum
  • Für das Dressing:
    3 EL Nussöl
  • 2 EL guter Balsamico (je älter, desto besser – wobei alt hier nicht meint, dass er schon seit Ewigkeiten seinen  Platz im Regal nicht mehr verlassen hat, sondern mindestens 5 Jahre Fassreife hinter sich hat)
    1 Spritzer Akazienhonig
  • 20 g Zartbitterschokolade
    Fleur de Sel, Piment d’Espelette

Zubereitung

1. Quinoa unter fließendem Wasser gründlich waschen (wichtig!). Einen Topf mit Wasser zum Kochen bringen. Salzen. Den (das?) Quinoa einrieseln lassen und etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis es ausgequollen ist. In ein Sieb abschütten und gut abtropfen lassen.

2. Die Cherrytomaten waschen und vierteln. Gurke schälen und halbieren, Kerngehäuse mit einem kleinen Löffel entfernen und in ca. 1 cm breite Halbmonde schneiden. Paprika abtropfen lassen und in Streifen schneiden.

3. Die Kräuter waschen und vorsichtig trocken schütteln. Blättchen abzupfen und fein hacken.

4. Für das Dressing die Schokolade im Wasserbad schmelzen lassen. Den Aceto Balsamico mit Salz, Pfeffer und dem Honig verquirlen, dann das Öl unterschlagen. Jetzt die flüssige dunkle Schokolade vorsichtig unter das Dressing rühren. Mit Piment d’Espelette und Salz abschmecken.

4. Quinoa auf Teller oder in Schüsselchen verteilen. Mit dem Dressing beträufeln und mit den Kräutern bestreuen.

Wer nicht fastet, darf dazu scharf angebratene Rinderlendenstreifen oder Garnelenspieße essen. Auch sehr lecker: Geröstete Walnüsse darüber streuen.
Alle anderen trinken Gänsewein und halten bis Ostern durch.

Zubereitungszeit: 40 Minuten

Leicht und lecker: ★★★★★

Wer sich für Quinoa interessiert, kann übrigens  hier alles ganz genau nachlesen.

6 Kommentare zu “Bunter Quinoasalat mit Cherrytomaten, Gurken und Kräuter-Schokoladendressing”

  1. Christina

    Boah, sieht das gut aus!! Die Faschingsunlust teile ich übrigens – die Fastenzeit allerdings nehm´ ich schon zum Anlass, bei manchen Dingen die Bremse reinzuhauen, bzw. faste tatsächlich mal ein paar Tage “so richtig”. Bisher hat das auch immer ganz gut geklappt. Hach ja, bisher… ;-)

  2. Mini-Küche

    Doof, wenn einem jetzt zwar der Zahn tropft, man aber bis Oster ein “Schokofasten” praktiziert :)

    Da dass aber nicht für mich gilt, kann ich das Rezept guten Gewissens abspeichern und noch VOR Ostern ausprobieren. Ich freu mich!

    Liebe Grüße,

    Lilly

  3. missboulette

    Der wunderschöne Salat ist wohl weniger Verzicht – eher Genuss.
    Sehr sympathisch, Deine Anti-Kollektiv-Maskerade Einstellung!

  4. Design Elements

    das sieht lecker aus. Ich liebe Quinoa und Tomaten und Schokolade sowie so :-) liebe Grüße

  5. Elisabeth

    boah, so kann man sich das “fasten” ja richtuig schmecken lassen! schokolade im dressing, mein interesse ist geweckt! (quinoa mag ich aber natürlich auch)
    ich wollte übrigens auch immer indianer sein und nicht squaw ;-) und deine einstellung zu massenverantsaltungen teile ich voll und ganz
    lg, elisabeth

  6. Benjamin Blume

    Tolle Combination \o/


Schreibe einen Kommentar: