Bevor ich voll und ganz in den Herbst eintauche, müssen noch ein paar sommerleichte Gemüsegerichte meinen Hunger stillen. Eigentlich hatte ich ja geplant, im September nach Vietnam, Thailand oder Laos zu entschwinden. Dass daraus nun leider nichts wird, ist dem Lauf der Dinge geschuldet und kaum auszuhalten verkraftbar – nur mein Magen kommt mit dem Urlaubsausfall noch nicht ganz klar.

Seit Tagen schreit er nach Exotischem: Frischen Sommerrollen, würziger Pekingente, cremigen Gemüsecurrys und knackigem Papaya-Salat. Alles problemlos bedienbar, auch ohne Langstreckenflug: Für die Ente gehe ich ins Chi, für die Sommerrollen und die Currys ins anh-thu und für den Salat mache ich mich auf die Jagd nach der sagenumwobenen grünen Papaya.

Die Suche gestaltet sich nicht sonderlich schwierig.

Als erstes krame ich in meinen Erinnerungen. Mein erstes Som Tam ist fast sechs Jahre her, gegessen in einem kleinen Straßenimbiss in Chiang Mai, nachdem ich mich in Ayutaha von meiner Reisepartnerin getrennt und alleine in den Norden weitergezogen bin. Nach 24 Stunden Nacbtzug mit Aircon (ein Fehler) hätte ich sogar frittierte Maden gegessen – gottseidank kam mir stattdessen grüne Papaya zwischen die Kiemen. Die Entdeckung des erfrischenden Salats, der aus den noch unreifen, fein gehobelten Früchten zubereitet wird, hat mir damals einen wunderbaren Endorphinrausch beschert und meinen Speiseplan in den kommenden Tagen komplett umgekrempelt. Eigentlich gab es nur noch das und Lap Ped und eiskaltes Singha Bier.

Es folgt die Suche nach einem Rezept. Da reicht mir ein Griff ins Regal. Ich brauche allerdings beide Hände, um VIETNAM unfallfrei auf den Küchentisch zu befördern – was für ein dicker Schmöker! Ich liebe das Papier, die Optik, die Erlebnisberichte, die szenischen Schilderungen von Land und Leuten und natürlich auch die vielen appetitanregenden Fotografien. Für Foodies mit asiatischer Schlagseite ist das Buch sicherlich kein Novum, allerdings dauert es wahrscheinlich ein halbes Leben, sich durch das gesamte Repertoire zu kochen.

Letzte Challenge: Der Rohstoff. Grüne Papaya im bayrischen München zu finden ist ehrlich gesagt fast ein bisschen zu leicht. Ein Hauch von Abenteuer wäre schön gewesen.
Eine meiner sichersten Fundstellen ist der Mekong Markt in der Müllerstraße, nur ein paar Gehminuten vom Sendlinger Tor entfernt. Die netten Besitzer sind ganz zauberhaft und haben mir gleich beim ersten Papaya-Kauf einen babyblauen Papaya-Slicer mit in die Tüte gepackt. Selbst Küchenpuristen und Gadget-Verächter werden auf das Teil nicht verzichten wollen – mit dem Sparschäler funktioniert’s jedenfalls nicht!

So. Fernweh & Hunger & Papaya – alles da. Es kann also losgehen.

Green Papaya Salad mit Zitronengrashähnchen

Zutaten

  • Für den Papayasalat:
  • 1 große grüne Papaya
  • 1 Handvoll Minze
  • 1 Handvoll asiatischer Koriander
  • 1 Handvoll asiatisches Basilikum
  • 2 EL geröstete Erdnüsse
  • Für das Dressing:
  • 4 EL Zitronensaft, frisch gepresst
  • 2 EL extrafeiner Palmzucker
  • 1 EL Fischsauce2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • 1 Vogelaugenchili, fein gehackt
  • 1 TL frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Für das Hähnchen:
2 cm Ingwer
2 Frühlingszwiebeln
2 Stängel Zitronengras (dickes Danke an Bella, die meiner geistigen Umnachtung sofort Beine gemacht hat!)
1 kleine Knoblauchzehe
1 l Hühnerbrühe
4 schwarze Pfefferkörner
2 TL Fischsauce
2 TL leichte Sojasauce
1 Hähnchenbrustfilet

Zubereitung

1. Für das Hähnchen: Ingwer schälen und in feine Scheiben schneiden. Den weißen Teil der Frühlingszwiebeln zerdrücken, den Rest ebenfalls in feine Scheiben schneiden. Den Knoblauch zerdrücken. Das Zitronengras in feine Ringe schneiden. Brühe mit Pfefferkörnern, Ingwer, Knoblauch, Fisch- und Sojasauce, Zitronengras und den weißen Teilen der Frühlingszwiebeln bei mittlerer Hitze einmal aufkochen, die Hitze reduzieren und 5 Minuten leicht köcheln lassen. Das Hähnchenbrustfilet zugeben und 12-15 Minuten in der Brühe garen. Das Fleisch herausnehmen, etwas abkühlen lassen, in Scheiben schneiden und auf einen Holzspieß stecken.

2. Die Papaya erst schälen, dann mit einem Slicer fein schneiden. Die Kräuter waschen, trocken schütteln und fein hacken. In einer großen Schüssel die grüne Papaya mit den Kräutern vermischen.

3. Für das Dressing: Alle Zutaten in einer Schüssel gut vermischen. Das Dressing hält sich in einem Glas mit Schraubverschluss im Kühlschrank bis zu 2 Tage.

4. Für die Erdnüsse: In einem Wok die Erdnüsse über mittlerer Hitze trocken rösten, bis sie eine hellbraune Farbe angenommen haben. In einem Mörser mit dem Stößel grob zerstoßen.

5. Das Salatdressing über den Papayasalat gießen, alles gut durchmischen. Die gehackten/zerstoßenen Erdnüsse über den Salat streuen. Fertig.

Dazu gibt es das Hähnchen und ein kaltes Bier.

8 Kommentare zu “Auf der Jagd nach der grünen Papaya: Green Papaya-Salad mit Zitronengrashühnchen”

  1. Bella

    Hmm, klingt lecker. Bis vor kurzem mochte ich keine Erdnüsse, jetzt liebe ich sie :)… Aber eine Frage: Wo ist das Zitronengras?

  2. Sylvia

    Wow, der Salat klingt wirklich lecker! Bei mir gabs heute schon Kürbissuppe, hätt ich doch noch ein bißchen warten sollen…

  3. Sophie

    @ Bella: Ups, du hast ja so Recht: Das hab ich glatt negiert :-) Aber wozu hat man aufmerksame Leser? Ist ausgebessert! *lach*
    @ Sylvia: Und morgen will ich deine Kürbissuppe, wart’s ab!

  4. Bella

    Bitte sehr!
    Jetzt koch ich’s auch nach, versprochen :)

  5. Sabrina

    Ich liebe den Salat. In Vietnam wurde ab und zu noch geröstete Zwiebeln drübergestreut.
    Und wo krieg ich jetzt grüne Papaya her? :/

  6. daniela

    Der Papaya Slicer sieht ja witzig aus. Hab ich noch nie gesehen.

  7. Lilly

    Ein Abenteuer bei der Papayabeschaffung hättest du hier auf jeden Fall, abgesehen von einem völlig überteuerten Exemplar in der örtlichen METRO habe ich hier noch nie grüne Papaya gesehen :( – dabei wollte ich so einen Salat schon seit ewiger Zeit mal probieren. Aber nächste Woche bin ich für einen Tag in München, vielleicht hab ich ja Glück und finde auch eine :)

    Liebe Grüße,

    ~Lilly

  8. Sophie

    @ Sabrina: Stimmt, geröstete Zwiebeln! Die hatte ich leider nicht. :-(
    @ Daniela: Seitdem ich ihn hab, seh ich ihn in fast jeder Küche hängen :-D
    @ Lilly: Und, hast du die Papaya bekommen?


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