Ich dachte, ich tu mir was Gutes und backe die Apfeltarte von Lea Linster, aber halbe-halbe, also halb Dinkelmehl, halb Weizenmehl. Man gönnt sich ja sonst nichts, aber Lea Linster ist nun mal nicht gerade für leichte, fettarme Küche bekannt. Vielleicht kann man diese verführerisch knusprige Apfeltarte mit ein wenig Vollwertigem entschärfen? Die Idee war gut. Dachte ich zumindest.

Eine Stunde später verfluche ich mich ob meines Gesundheitsticks. Warum wollte ich noch mal Dinkel? Was Gutes tun? Das ging ja mal glatt daneben. Statt mich über eine lauwarme Tarte hermachen zu können, kämpfe ich immer noch mit dem Teig, der schon beim ersten sanften Druck mit dem Nudelholz zu zicken anfängt. Er reißt. Und reißt. Ich lege ihn in den Kühlschrank und lasse ihn in Frieden (so eine Mimose!) Aber das ist es nicht.

Ich frage Manuel. Manuel sagt, es läge am fehlenden Klebereiweiß im Dinkelmehl und ich erinnere mich dunkel. Manuel muss es wissen, er war mal Bäcker. Dann hatte er keine Lust mehr. Kann ich mir gut vorstellen.

Zu allem Überfluss schnitze ich mir schließlich beim Äpfel schneiden eine schöne Ecke in die Kuppe des linken Ringfingers. Es blutet. Stark. Gut, dass ich keine Maniküre hatte (hatte ich noch nie). Mit 3 Lagen Zewa als improvisiertem Druckverband schneide ich fluchend weiter Äpfel. Muss ja.

Ob ihr’s glaubt oder nicht, irgendwie wurde aus dem porösen Teig tatsächlich noch eine leckere Tarte. Sie sah zwar nicht ganz so akkurat aus wie bei Lea Linster, aber geschmeckt hat sie. Sagt Manuel, und der muss es wissen.

Apfeltarte mit Limettenzucker

Zutaten

  • 400 g Mehl
    250 g Butter
    1 Prise Salz
    4 Äpfel (z.B. Boskop)
    ca. 50 g Butterflöckchen (ich habe etwas weniger genommen, irgendwann is auch gut)
    3-4 EL (Mascobado-) Zucker
    Saft 1/2 Limette
    etwas Puderzucker zum Bestreuen

Zubereitung

1. Das Mehl mit der (kalten) Butter und einer guten Prise Salz vermischen, dann ca. 2-3 EL eiskaltes Wasser unterkneten (oder so viel, wie der Teig eben braucht). Der Teig sollte fest sein, darf aber nicht zu lange geknetet werden.

2. Den Teig zu einem breiten Rand akkurat (?) ausrollen, ca. 60 m lang und 25 m breit. Dann wie einen Blätterteig dreimal falten, um 90 Grad drehen und wieder zu einem Band von 60 x 25 cm ausrollen. In Frischhaltefolie packen und für eine halbe Stunde in den Kühlschrank legen (bei mir hat er etwas länger geruht).

3. Inzwischen die Äpfel vorbereiten: Das Kerngehäuse entfernen, schälen und in Spalten schneiden. Ziegelförmig auf den Teig legen. Wenn der Boden vollständig belegt ist, die Butterflocken auf den Apfelscheiben verteilen und mit Limettenzucker (=Zucker mit dem Limettensaft benetzen, so viel, dass er krümelig wird und sich noch nicht auflöst) bestreuen.

4. Die Tarte kommt für 50-55 Minuten bei 180 °C (Umluft 160 °C, Gas Stufe 3) in den vorgeheizten Backofen. Wichtig ist, dass der Teig genug Hitze von unten bekommt, damit der Boden schön kross wird.

5. Herausnehmen und auskühlen lassen. Mit Puderzucker bestreuen und dann endlich – endlich – endlich genießen.

Passt gut dazu: Eine Kugel Vanilleeis oder ein Klacks Crème fraîche mit Vanillezucker.

Zubereitungszeit: 40 min (plus Ruhe- und Backzeit!)

Bewertung: 4 Sterne: ★★★★☆

10 Kommentare zu “Apfeltarte mit Limettenzucker oder warum ist der Dinkel so ein Pinkel?”

  1. Christina

    Bin ja zumindest Dinkel-Brötchen-Fan, aber scheinbar ganz gut, dass ich die bisher immer beim Bäcker um die Ecke geholt habe, wenn das Zeug im Teig solche Faxen macht. ;-) Die Tarte sieht sehr lecker aus.

  2. kochessenz

    hmm Apfel-Finger-Tarte :D

    Aber im Ernst, sieht klasse aus, Deine Interpretation, und ich hätte gerne ein Stück ;)

  3. Toni

    Schwer verdient :D!

  4. Alex

    Ich habe schon Schwierigkeiten, normalen Teig auszurollen, dann will ich es mit Dinkel gar nicht erst versuchen. Aber die Tarte mit Weizenmehl werde ich mir wohl merken müssen. Und Limettenzucker sowieso!

  5. Steph

    ach eigentlich ist er ganz nett der Dinkel…
    Backe seit Jahren zwangsweise ohne Weizen.
    Als Entschädigung und damit du den Dinell wider lieb hast ist das Krustenbrot von Essen und Trinken geeignet. Super-simpel super-lecker! Besser gleich 2 backen… ist sofort wieder alle.

    http://www.essen-und-trinken.de/rezept/140012/krustenbrot-aus-dem-topf.html

    viele Grüße

    Steph

    und den Kuchen teste ich am Wochenende

  6. Sophie

    @ Christina: Dann gehören wir zur gleichen Fan-Gemeinschaft. Der Dinkel hat Glück, dass ich nicht nachtragend bin.
    @ Martin: Genau das wollte ich nicht schreiben, von wegen Appetit weg und so. Aber du darfst.
    @ Toni: Das kannste laut sagen!
    @ Alex: Also allein vom Knusprigkeitsgrad kann ich die Tarte wirklich empfehlen. Mein Bäckersfreund hat 3 Stück gegessen ;-)
    @ Steph: Das Brot interessiert mich tatsächlich (ist das eine Adaption des legendären No-knead-Breads?), allerdings bin ich noch Le Creuset-los. Bloggen hat leider zur Folge, dass man süchtig nach Küchen-Gadgets wird.

  7. Buchfink

    Ich bin auch ein Freund des No-knead-Breads, habe aus Kostengründen auf Le Creuset verzichtet und dafür einen wunderschönen blauen Gusseisentopf vom großen schwedischen Möbelhaus erstanden. Klappt hervorragend.

  8. Sophie

    @ Buchfink: Ah, gut zu wissen. Ich habe in letzter Zeit ein bisschen Abstand genommen von der schwedischen Importware ;-) Aber wenn du sagst, das funktioniert, dann funktioniert das.

  9. Tante Barbara

    Absolut imponierend!

  10. Cucina Piccina » Blog Archive » Doppelt hält besser: Quarkhörnchen mit Hollermarmelade und Beerenquark mit Leinöl

    [...] Frühstück, die meinen Leinöl-Beeren-Quark komplettieren sollten. Ich wollte dem Dinkel, der mich beim letzten Mal ganz schon brüskiert hat, eine zweite Chance geben. Und siehe da: Er hat sich diesmal ganz [...]


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