Vollwertküche hatte mal das Zeug zum „unsexiest word alive“ – und ist auf einmal ziemlich hip. Was sich hier in Sachen Imagewandel getan hat, kann man durchaus als Erfolgsstory bezeichnen und das kollektive Naserümpfen über Tofukram und Grünkernburger ist längst in ein eifriges Bekenntnis zu moralisch einwandfreier Fitnesskost übergegangen. So spannnend ich es finde, was sich an dieser Front gerade tut, so seltsam finde ich die überaus präsenten Übertrittsbekundungen zu rigorosen Ernährungsprinzipien. Essen als Ersatzreligion? Ist nicht meine Welt. Für mich gilt immer noch: Der Flexitarier genießt und schweigt. Und hört auf seinen voll-wertigen Bauch.

 Umso genialer sind Projekte wie der von Katharina Seiser ins Leben gerufene Tierfreitag, gerade weil er so herrlich undogmatisch daher kommt. Dass meine Mahlzeiten immer wieder komplett tierfrei sind, fällt mir oft erst im Nachhinein auf. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der ich mir unter der Woche ein schönes Steak brate oder alleine für mich eine Flasche Wein öffne, zaubere ich mir Gerichte aus Amaranth, Quinoa, Hülsenfrüchten und Samen, mit viel Gemüse in der Hauptrolle, aromatischen Kräutern on top und knackigen Salaten als frisches Highlight. Bei diesen feinen Involtini werden kross gebratene Pilze und nussiges Amaranth in kurz blanchierte Bärlauchblätter gewickelt, dazu gibt es sämige Sesamsauce für den „Ischkönntemischreinlegen“-Moment und geröstete Hanfsamen für den extra Crunch.

Dass dieses Rezept nicht nur verdammt lecker, sondern auch gluten-, lactose-, tier- und reuegedankenfrei ist, darf ins Kleingedruckte, mehr aber auch nicht. In erster Linie ist dieses Rezept vor allem eins: Legal genial. Gefehlt hat mir null komma nichts, höchstens ein bisschen Hilfe beim Wickeln. Aber selbst das hat, mit einem Glas Köchinnenwein neben der Arbeitsplatte, etwas ungemein Meditatives.

Meditieren, Meditation, nach der inneren Mitte suchen – noch so ein Imagewandelphänomen.

 

Amaranth-Bärlauch-Involtini mit Waldpilzen und Sesamsauce


Zutaten:

2 EL Hanfkörner
1 TL Sesamöl
1 Prise Salz
150 g Amaranth
2 Schalotten
evtl. Pilz- oder Gemüsebrühe
300-400 g gemischte (Wald-) Pilze
8 Blätter Bärlauch, möglichst groß
3 EL Tahini (Sesamsauce, gibt’s beim Türken oder im Bioladen)
1 Spritzer Zitronensaft
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

 

Zubereitung:

1. Die Hanfkörner zusammen mit dem Sesamöl und dem Salz in eine kleine Schüssel geben, alles gut miteinander vermischen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und im vorgeheizten Ofen bei 180 °C ca. 6-8 Minuten rösten. Herausnehmen und abkühlen lassen.

2. Das Amaranth nach Packungsanweisung in Wasser oder der Pilz-/Gemüsebrühe kochen. Die Schalotten fein hacken. Pilze putzen, große Pilze halbieren oder in Stücke schneiden. Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und die Schalotten darin kurz anschwitzen, Pilze zugeben und bei hoher Hitze unter Rühren scharf anbraten. Nach ca. 4-5 Minuten die Hitze etwas runterschalten und die Pilze weitere 5-8 Minuten braten. Mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer abschmecken. Amaranth abgießen und etwas abkühlen lassen.

3. Einen Topf mit Wasser zum Kochen bringen. Die Bärlauchblätter im sprudelnden Wasser kurz blanchieren. Mit einer Schöpfkelle herausnehmen und sofort in Eiswasser legen. Vorsichtig auseinanderfalten, auf Küchenkrepp auslegen und trocken tupfen. Auf jedes Blatt ein Häufchen Aamaranth, dann ein paar Pilze geben und von unten nach oben aufrollen. Zum Schluss die Enden leicht andrücken.
Das Tahini mit einem Spritzer Zitronensaft cremig rühren.

4. Die Involtini auf Teller setzen, mit der Sesamsauce beträufeln und mit den gerösteten Hanfkörnern bestreuen.

Ein Kommentar zu “Befreiendes zum (Tier-) Freitag: Amaranth-Bärlauch-Involtini mit Waldpilzen und Sesamsauce”

  1. Krisi

    Wow die sehen ja wunderbar aus und ich stelle sie mir auch sehr lecker vor. Ich liebe Pilzgerichte und so eingewickelt wirkt das Ganze noch mal viel toller;) Das Rezept werde ich mir merken, danke=)
    Liebe Grüsse,
    Krisi
    http://excusemebutitsmylife.blogspot.com


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