Wie war ich früher neidisch, wenn meine Grundschul-Klassenkameradinnen mit selbstgenähten Klamotten zum Unterricht kamen. Selbstgenäht von Mutti natürlich, auf der Nähmaschine, nach dem neuesten Burda-Schnittmuster. Meine Mama dagegen konnte großartig kochen. Nähen konnte sie nicht so gut.

Ich würde ja gern behaupten, dass mir ein virtuoserer Umgang mit Nadel und Faden beschieden ist, aber leider ist dem nicht so. Im Gegenteil. Ich kann noch nicht mal einen blöden Topflappen häkeln (weswegen ich im Handwerkunterricht in der 4. Klasse auch nur an die Luftmaschen ran durfte, was mit einem völlig unbrauchbaren Fussball-Netz endete). Knöpfe annähen, ja, das kriege ich noch hin. Dann ist aber auch schon Schluss.

Meine Antipathie gegen Näharbeiten geht so weit, dass ich noch nicht mal ein ordentliches Nähkästchen besitze. Diverse Küchenmesser, Microplane-Zestenreibe, Julienneschäler, Kugelausstecher, muss alles sein, ABER wenn es darum geht, ein Loch zu flicken, wird es kritisch. Ich besitze eine Hand voll Nadeln minderer Qualität und einen Beutel mit zusammen gesammelten Mini-Reisenähsets. Farbauswahl beschränkt.

Seit Neuestem besitze ich auch keine Nadeln mehr. Die mussten leider als Fixierung für die olivengefüllte Lammhüfte herhalten, denn natürlich waren im entscheidenden Moment (“Scha-hatz, kannst du mal??? Ich habe gerade keine Hand frei…..”) keine Zahnstocher aufzufinden.

Von Küchengarn wollen wir gar nicht erst sprechen.

Die Lammhüfte wurde mit Salz, Pfeffer und frischem Thymian gewürzt und mit Oliven gefüllt. Ich habe dazu mit einem scharfen Messer eine kleine Tasche in die Lammhüfte geschnitten, das Fleisch aufgeklappt und das Ganze wieder (mehr oder weniger gut) verschlossen….

…dann von beiden Seiten in ein wenig Öl (mit Rosmarin und Knoblauch aromatisiert) scharf angebraten und für gut 40 Minuten bei 80 °C in den vorgeheizten Ofen verfrachtet. Das ist zwar noch keine richtige Niedrigtemperatur, aber wie beim Nähen sitze ich auch diesbezüglich noch in der Dilettantenecke.


Nach dieser kräftezehrenden  Akkupunktur war ich für weitere Experimente nicht mehr zu haben. Daher gab es dazu ganz klassisch “mediterranes Gemüse”: Pepperonata und gebratene Auberginen.

Fazit 1: Dunkelrosa. Rosa wäre mir lieber gewesen.
Fazit 2: Ich brauche dringend ein neues Nadelset. Und ein Fleischthermometer zur Kontrolle der Kerntemperatur (60 – 63°)!

11 Kommentare zu “Akupunktur-Lamm mit Pepperonata und Auberginengemüse”

  1. Evi

    Für Stecknadeln empfehle ich den Herrenausstatter. Die Hemden sind normalerweise mit Nadeln fixiert, die landen sonst alle im Müll. ;) Oder natürlich Küchengarn, ganz oldschool. ;)

    (Bei uns wurde übrigens gekocht und genäht, zumindest von allen weiblichen Familienmitgliedern. Der Vater kocht nur.) :D

  2. Arthurs Tochter

    Du hast mir etwas vorraus!
    Willen und Fähigkeit, wenigstens Knöpfe anzunähen (selbst dafür bemühe ich unseren Haus & Hof Schneider) und eine kleien Auswahl von Nadeln und Fäden. Für was auch immer Du sie verwenden magst. :)

    Mein Küchengarn ist seit Monaten aufgebraucht, dabei hat P. mir sogar so eine wunderschöne Metalldose geschenkt, wo man den Faden gleich abreißen kann. Aber wo in the hell gibt es überhaupt noch Küchengarn zu kaufen?

    Dass du bei – waren es 52? – Töpfen und dem Rest kein Fleischthermometer Dein eigen nennst, wundert mich! Ich kanns nur empfehlen, bei mir geht kaum etwas ohne in den Ofen oder in die Pfanne.
    Lammhüfte habe ich noch nie gemacht. Wie liegt das Fleischteil preislich im Vergleich zu Keule, Lachs und Schulter?

    Das ist mein längster Kommentar des Wochenendes! Ehrlich!
    :)

  3. nata

    Ich fasse es nicht! Du hast tatsächlich Nähnadeln in das Fleisch gesteckt! Hoffentlich hast Du vor dem Essen alle wiedergefunden… Selbst bei Zahnstochern soll es hin und wieder vorkommen, dass Leute sie mitessen. Alles schon gesehen :o))

  4. lamiacucina

    ich fordere eine Bestandeskontrolle vor und nach dem Herausnehmen !

  5. Hesting

    Gerüchten zufolge gibt es Stecknadeln in größerer Menge pro Packung und das auch noch billiger. Aber Du brauchst die Nadeln sicher gar nicht, sonst hättest Du eine Alternative gefunden. *kopfschüttel*

    Hast Du keinen Laden in der Nähe, in dem es Rouladennadeln gibt?
    Wenn Du Geld für Lammfleisch hast, muß doch auch Geld für gescheite Küchenausstattung da sein? *nochmal kopfschüttel*

    Ich kann übrigens auch nicht wirklich häkeln und stricken, und für’s Nähen an der Maschine war ich mit 12 auch noch viel zu grobmotorisch. Die Aussage “das konnte ich früher nicht, also kann ich es jetzt nicht” lasse ich daher nicht gelten.

  6. Sophie

    @ Evi: Gute Idee, H. braucht ohnehin mal wieder einen neuen Schwung Hemden ;-)
    @ AT: Halt halt, es waren 53 Kisten. 53 Töpfe wären schön. Wichtiger als ein weiterer Topf ist allerdings tatsächlich das Fleischthermometer. Irgendwie blieb das bislang auf der Strecke, so viel Fleisch esse ich nu mal nicht. Die Metallbox würde ich bei der Gelegenheit gleich mit kaufen, wo hat P. die erstanden, weisst du das?
    Lammhüfte ist preiswerter als Lachs, aber auch durchzogener. Keule und Schulter = geldbeutelschonender. Da fehlt mir aber meist die Zeit zum Schmoren.
    So, dass war mein bislang wohl längster Kommentar ;-)
    @ nata: Alle wiedergefunden. Keiner zu Schaden gekommen. Es gibt sogar einen Witz mit Zahnstochern, aber der besticht durch visuelle Komik. Muss ich skypen.
    @ Robert: Ich habe sie nummeriert ;-)
    @ Hesting: Im Text ist ein kleiner Humor versteckt. Wenn du ihn findest, schicke ich dir ne Packung Rouladennadeln gratis.

  7. Chris

    @AT: küchengarn gibt’s bei jeder grösseren migros (schweiz).

  8. Sylvia

    Ein Voodoo-Lamm? ;-) Sieht aber wirklich toll aus, die Kombination mit den Oliven finde ich richtig lecker!

  9. Hesting

    Meintest Du die Nadeln, die Du in Deiner Hand herumträgst? ;) *Kopfkino*

  10. Jim

    Die Assoziation mit Voodoo war auch mein erster Gedanke. Aber lecker sieht es ohne Zweifel aus!

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