Rot-weiß karierte Tischdecken, dunkle Bistrostühle und schwarz gerahmte Fotografien an den Wänden: Die Seerose ist ein Italiener wie aus dem Bilderbuch und für viele DER Lieblingsitaliener schlechthin. Direkt an der Einflugschneise zum englischen Garten gelegen, kommt man gar nicht um einen Besuch der hübschen Trattoria herum – es sei denn, man macht sich nichts aus cremigem Rotweinrisotto, perfekt gebratener Tagliata oder hausgemachten Kürbisgnocchi.
Auch wenn das Wort überstrapaziert ist, kann man hier getrost von einem „kulinarischem Inventar“ sprechen und an Sonnentagen ist die Seerose – übrigens winters wie sommers – ein Sprudelbecken für Sprizz-süchtige Müßiggänger und die ortsansässige A-, B- und C-Prominenz.

Hier saßen wir schon neben Basti Schweinsteiger und seiner Modelfreundin auf dem Tolix-bestuhlten Freisitz, haben uns die Sommernächte mit Rotwein und Burrata um die Ohren geschlagen oder mittagsmüde den Kopf auf den Tisch und den Löffel ins göttliche Tiramisu sinken lassen. Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Seerose aber kein rustikal getarnter Schickimicki-Schuppen, sondern ein Ort zum Wohlfühlen und Fallen lassen, zum Leben, Lachen und Geniessen. Deshalb kommt wohl auch der Schweini hierher.

Das fängt schon beim selbstgebackenen Olivenbrot an, das zusammen mit einer Schale duftenden, samtig schimmernden Öls und (ganz wichtig!) grobem Meersalz gereicht wird.


Es trägt sich fort durch die liebevolle Speisenauswahl, die Evergreens wie Vitello Tonnato oder Penne al Ragù neben kreative Interpretationen italienischer Klassiker stellt. Das „Carpaccio di Manzo Affumicato“ – geräuchertes Carpaccio – mit pikantem Gorgonzola, Birne, Rucola und Balsamico gehört zum Beispiel dazu, ebenso wie das Wildlachs-Tartar mit Kapern, Mascarpone und Apfel. Für Fusion Kitchen-verwöhnte Gaumen gar kein Problem, für orthodoxe Anhänger der cucina italiana durchaus eine ungewöhnliche Zusammenstellung.
Besonders mochte ich eine Kombination aus Cozze (Miesmuscheln), Vongole (Venusmuscheln), Pulpo (Oktopus), Kürbis und Rucola, lauwarm serviert, oder die Gamberoni mit Auberginenmus und Koriander, die ich hier vor ein paar Wochen gegessen habe.

Es gibt ein Menu di Mezzogiorno, also ein täglich wechselndes Mittagsmenü, mit schlichten, bodenständigen Gerichten von Lasagne bis Spaghetti Carbonara, davor Salat, danach Dolce (Dessert). Selbst die soliden Speisen sind immer mit Sorgfalt zubereitet: Man schmeckt die Qualität der Zutaten und die „mamma“ in der Küche bzw. den Köpfen der Köche, denen man beim Zaubern durch die offene Durchreiche zusehen kann.

Überhaupt, das Personal. Das ist den meisten Münchnern ja unglaublich wichtig, besonders beim Italiener. Und tatsächlich tragen hier bis auf einen einzigen Deutschen nur kohlrabenschwarzhaarige Luigis und hübsche Marias die Teller durch die Gegend, ohne Schlips und ohne Kragen, stattdessen mit einer fast schon familiären Herzlichkeit.

Abends geht es speisekartentechnisch etwas feiner zu, wenngleich die Seerösler ungern den Nimbus der cucina casalinga verlassen und bei allen kreativen Spielereien immer die Bodenständigkeit ihrer Küche betonen. Das Etikett Hausmannskost würde ich dennoch anderen Italienern verpassen – die Seerose spielt durchaus eine Liga drüber.

Anschrift und Kontakt:

Seerose – Birreria e Trattoria
Feilitzschstraße 32
80802 München,
Tel 089-461 33 14 20
www.seerose-trattoria.com

2 Kommentare zu “Zu Besuch bei mamma – Trattoria e Birreria Seerose”

  1. Miriam

    Wow, hört sich toll an! Den Tip muss ich mir merken! Ich liebe gutes italienisches Essen!
    Lg, Miriam

  2. RIke

    Wäre München nicht so weit weg, wäre ich morgen da! Danke für die wunderbare Beschreibung. Ich werde es mir merken.. Liebe Grüße, RIke


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