Als Langzeit-Exilbayerin hab ich schon lange keine Schwierigkeiten mit regionalen Sprachvariationen mehr. Bei Familienbesuchen werde ich dafür allerdings regelmäßig von meinen Geschwistern verspottet. Auch neulich wieder. „Wie, du sagst Möhre? Des hoast Karotte!!!“ Karottentartelettes, lieber Bruder, sind aber leider ein phonetisches Desaster. Sag doch mal M-ö-h-r-e. Na also!

Die farbenfrohen Tartelettes brauchen übrigens ihre Zeit, der Aufwand lohnt sich aber tatsächlich. Eine gute Organisation ist die halbe Miete – am Besten den Teig schon morgens vor der Arbeit (jaja, das geht) vorbereiten, das spart abends die lästige Kühlzeit. Blitzrezept des Jahres sind die kleinen Leckerbissen also nicht, aber eine Nominierung für den ColorFoodAward ist auf jeden Fall drin.

Möhrentartelettes mit Zuckerschoten-Minze-Salat für Geduldige:

Für 4-5 Tartelettes
Teig:

160 g Mehl (ich habe Dinkelmehl genommen, klappte prima)
1 Msp.Backpuler
Salz, Zucker
90 g kalte Joghurtbutter
1 Ei (Kl.M) getrennt (!)

Für die Möhrencreme und den Salat:

250 g Möhren (ca. 1 Bund)
¼ l Möhrensaft
150 g Ziegenfrischkäse (alternativ Crème fraîche)
1 Ei plus ein Eigelb (Kl.M)
Salz, Pfeffer
200 g Zuckerschoten (oder Zuckererbsen)
3-4 Stengel frische Minze
3 EL Aceto Balsamico bianco
3 EL Olivenöl
2 EL Crème fraîche

Zum Blindbacken:
Backpapier und Hülsenfrüchte (z.B. Linsen)

1. Für den Mürbeteig Mehl, Backpulver, ½ TL Salz und 1 Prise Zucker in einer großen Schüsseln vermischen. Jetzt die Butter – in kleine Würfel geschnitten – unter die trockenen Zutaten mischen und vorsichtig unterkneten. (Die Butter sollte übrigens direkt aus dem Kühlschrank kommen; zimmerwarme Butter verwendet man eher bei süßem Mürbeteig). Zuletzt noch das Eigelb kurz unterkneten. Wichtig ist, dass man den Teig nur so lange knetet, bis sich die Zutaten gut gebunden haben. Knetet man länger, wird der Teig „klitschig“.
Den Teig in Folie gewickelt mind. 1 Stunde kalt stellen.

2. In der Zwischenzeit die Möhren schälen und raspeln. Zusammen mit dem Möhrensaft in einem hohen Topf aufkochen und bei mittlerer Hitze offen ca. 25 min. weich kochen, bis die Flüssigkeit verdampft ist.
3. Den Teig in vier Portionen teilen. Zwischen zwei Lagen Backpapier ausrollen und locker in die Förmchen legen (meine Förmchen sind beschichtet und müssen nicht gefettet werden; ist bei Porzellan aber evtl. nötig). Den Teig vorsichtig andrücken (für den obligatorischen Wellenschliff) und die Ränder vorsichtig mit einem Messer begradigen.

Wichtig, damit sich der Teig beim Backen nicht wellt: Die Teigböden mit einer Gabel ein paar mal
einstechen, dann die ausgelegten Förmchen im Kühlschrank ca. 15 min. ruhen lassen.

4. Blindbacken: Vier Stück Backpapier (etwas größer als der Förmchendurchmesser) zerknüllen und wieder glatt streichen; dadurch lässt es sich leichter auf den Teig legen. Das Backpapier mit den Linsen beschweren (randvoll!). Die „belinsten“ Teigförmchen nun im 200 °C heißen Offen auf dem Rost auf der untersten Schiene gut 15 min. blindbacken. Rausholen, das Papier samt Linsen entfernen. Den Teig mit dem verquirlten Eiweiß (blieb vorher übrig) bestreichen und dann weitere 5 min. backen.

5. Ach ja, die Möhren. Die werden nun im Mixer fein püriert. Den Ziegenfrischkäse dazu geben und kurz unterpürieren. Mit einem Teigschaber das Ei und das Extra-Eigelb unterrühren und alles mit Salz und Pfeffer abschmecken.Die Möhrenmassen wartet jetzt eigentlich nur noch darauf, einmal verkostet (hmmmmmm, schmeckt so schon lecker!) und dann in die Tartelettes gefüllt zu werden. Bei 180 °C nochmal 15-20 min. backen. Dann rausnehmen und abkühlen lassen.

6. Letzte Etappe – gleich geschafft: Die Zuckerschoten putzen und in schräge Streifen schneiden (schräg halbieren). In kochendem Salzwasser ca. 2 min. sprudelnd kochen lassen, dann abgießen und abschrecken. Gut abtropfen und unter das Dressing (weißer Aceto, Salz, Pfeffer, Öl unterschlagen, dann die Crème fraîche untermischen) heben. Die fein gehackten Minzeblättchen untermischen.
7. Die Tartelettes vorsichtig auf Teller heben und den Salat darauf setzen. Ein paar Minzeblättchen auf jedes Tartelette setzen – et voilà.

3 Kommentare zu “„In Bayern hoast des Karotte“ – Möhrentartelettes mit Zuckerschotensalat”

  1. Max

    Man sogt ned Karotte. des hoast Geibe Ruam.
    zefix.
    Probieren würd ich aber trotzdem sehr gerne. Die Fotos sind mal wieder absolut fantastisch.
    Du machst des echt verdammt gut.

    lg Max

  2. Adrian

    Auch der kleinste Bruder meldet sich mal zu Wort. Muss sagen dass ich das richtig klasse finde was du da alles machst, aber es fehlt das Fleisch!
    Trotz Fleischmangel würde ich gerne das phonetisches Desaster der KAROTTENtartelettes und auch manch anderes gerne probieren.

    lg Adrian

  3. Sophie

    Bruderherz,
    Gemüse ist mein Fleisch!
    Außerdem übertreib mal nicht. Dieses Blog heisst nicht “Kochen ohne Knochen” – ab und zu verirrt sich auch ein (blindes) Huhn oder ein Lammcarré in meine Küche.


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