Zu meinem Lieblingsgemüse gehört eindeutig die Paprika. Sie enthält mehr Vitamin C als Zitronen, außerdem Flavonoide (Antioxidantien) und Carotine und wirkt daher entzündungshemmend, antikanzerogen und positiv auf das Langzeitgedächtnis. (Ach ja?!) Das ist natürlich nicht der reale Grund für die Häufigkeit, mit der ich das knackige Nachtschattengewächs zubereite. Leider ist aus den gängigen Sorten (jenen, die im Supermarkt feilgeboten werden) das Capsaicin (also der für die Schärfe verantwortliche Stoff) völlig herausgezüchtet worden, so dass die kommerziellen Züchtungen meist eher wässrig und fade schmecken. Da ich – wohnhaft in einer Zwei-Zimmer-Dachgeschoß-Wohnung – allerdings keinen eigenen Garten und noch nicht mal Fensterbänke besitze, auf denen ich nach Anleitungen wie diesen hier seltene Texas Bird Pepper oder feurige Jalapeños züchten könnte, bleibt mir nichts anderes übrig, als hin und wieder auf dem Wochenmarkt Ausschau zu halten und ansonsten eben zur gemeinen Gewächshaus-Paprika zu greifen.
Die Lösung: Ich spendiere meinen Paprikaschoten gerne eine Runde Solarium und anschließend eine ordentliche Gewürzmassage.

Meist röste ich die Schoten im Ofen, denn erst beim Schmoren werden die ätherischen Öle freigesetzt, die die Paprika so „g’schmackig“ machen. Bei einfachen Gemüsepaprika halbiere und entkerne ich die Schoten, bei Spitzpaprika hole ich nur den Strunk (mitsamt den Kernen) heraus. Diese „Paprikatuben“ eignen sich hervorragend zum Füllen, zum Beispiel wie im untersten Bild mit einer Crème aus Ricotta, Frischkäse und Kräutern (Basilikum, Estragon, Oregano, Bärlauch).

Wenn die Haut Blasen wirft und leicht (!) schwarz ist, die Paprika aus dem Ofen holen und abkühlen lassen. Tips, wie man die (unverdauliche) Haut möglichst leicht abziehen kann, gibt es viele; am Gängigsten ist die Methode „Frischhaltefolie“: Dazu die Schoten in eine flache Form oder eine Schüssel legen, diese mit Frischhaltefolie bedecken und die Paprika ca. 15-20 min. ruhen lassen. Mir fehlt dazu meist die Geduld und in der Regel klappt das Abziehen auch ohne solche Kniffe ganz gut.

Die so ihrer störenden Hülle entledigten Schoten sind nun bereit zur weiteren Verarbeitung. Das kann sowohl eine aromatische Pastasauce als auch eine nette kleine Vorspeise sein, so wie hier (im oberen Bild, Rezept siehe unten) mit Ziegenfrischkäse-Ecken und Senfkorndressing.
Oder aber ich lege die Paprika in Streifen geschnitten in einem Weckglas mit etwas Zitronenabrieb, -saft, Kräutern und gutem Olivenöl ein. So konserviert halten sie sich ca. 3-4 Tage und schmecken zum Beispiel wunderbar auf einem schnellen Sandwich für die Mittagspause.

Hier noch schnell das Rezept für das Senfkorndressing zum Ziegenkäse mit Paprika:
Eine gute Hand voll Senfkörner in einer Pfanne ohne Fett leicht rösten, mit etwas Honig und 1-2 EL Weisswein ablöschen und karamellisieren lassen; mit wenig Salz und viel Pfeffer abschmecken. Den Ziegenkäse (besonders lecker ist die Ziegenkäserolle mit Honig) auf Teller verteilen, mit dem Senfkorn-Karamell beträufeln und die geschmorten und gewürzten Paprikastreifen darauf legen. Mit frischem Oregano oder Estragon servieren.

2 Kommentare zu “„Born to be roasted“ oder: Was macht die Paprika im Solarium”

  1. Jessie

    Oh, das hört sich köstlich an. Ich liebe die Süsse von gegrillten Paprika und Pasta-Sosse ist eine meiner Lieblings-Verwendungen dafür. Danke für die Inspiration!

  2. Sophie

    Oh, wie schön. Freut mich sehr, dass du auf meinen Blog schaust. Hole mir auch immer sehr gern Inspiration bei dir ;-) Und ich bin ein großer Fan deiner Food-Fotos.


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