Ich bin kein Sommerkind. Für mich ist die schönste Jahreszeit immer noch der Herbst. Gegen diese letzten heißen Tage des Jahres allerdings kann ich mich wohl kaum verwehren – morgens in kurze Shorts zu schlüpfen und ihnen erst vor dem Schlafengehen wieder entsteigen zu müssen ist für mich ein unschlagbarer Luxus. Ich liebe diese Badewannentemperaturen, die einen so herrlich träge werden lassen und die Stadt ein bisschen zum Stillstand bringen. Ich liebe eiskalten Caffè Shakerato, Wassermelonen-Gurkensalat mit Feta morgens mittags abends, Fahrradfahren mit nackten Armen und bloßen Füßen und die Gleichzeitigkeit von schwarzen Johannisbeeren, Himbeeren, Kirschen, Pfirsichen, frischen Feigen, aromatischen Tomaten, sonnengereiften Auberginen und den ersten Pilzen.

Und ich liebe Feierabende, die mit einem Aperitiv beginnen. Geh’ mir weg, Aperòl Spritz, halte dich gut fest, lieber Hugo! Hier kommt the one and only, der wahrhaft königliche, echte und einzigartige Kir Royal.

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Es soll Leute geben, die regelrecht süchtig nach Cola sind. Für mich hat das Wort Cola in etwa so viel Anziehungskraft wie das Wort Bier. Im Schrebergarten meiner Freunde Niels und Bine allerdings wächst ein wundersames Pflänzchen mit Rucola-ähnlich verästelten Blättern, das den eigentümlichen Namen Cola-Kraut trägt. Sein Geschmack ist dem der knallsüßen Blubberbrause nicht unähnlich, und doch ein wenig anders. Kräutrig, würzig, irgendwo zwischen herb und süß stehen geblieben, leicht bizarr und doch seltsam vertraut, und es ist grün, nicht braun, natürlich. Solche Schrullen der Natur laden regelrecht dazu ein, die Kombinationsmaschine anzuschmeissen und sich an ein neues Rezept zu machen.

Heraus kam dabei damals dieser erfrischende Salat aus zweierlei Melone, knackiger Gurke, gebratenen Shrimps und meiner allerliebsten Marmelade, Tomaten-Chili-Jam.

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Der Perfektion einer Burrata mit dem Pürierstab ein jähes Ende zu setzen hat schon fast etwas Blasphemisches. Allerdings löst man damit nicht ihren Geschmack auf, sondern nur die Konsistenz. Dennoch hätte ich diesen Akt der Zerstörung niemals gewagt oder auch nur in Erwägung gezogen, wenn ich nicht vor ein paar Wochen in Mailand in einer kleinen Osteria ein Garnelencarpaccio mit Zucchiniblüten und einer Salsina di Burrata gegessen hätte. Es war schon spät, ich saß alleine dort, weil mein guter, alter Freund Vincenzo beschlossen hatte, mich spontan zu versetzten. Ich hatte ein bisschen schlechte Laune und keinen sonderlich großen Appetit – bis dieser Teller mit hauchdünn aufgeschnittenen, rohen Garnelen, knusprig ausgebackenen Zucchiniblüten und eben jener flüssigen Burratasauce vor mir stand.

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Kochen geht gerade beim besten Willen nicht, zumindest nicht privat. Dass ich heute bei Estella Kochlust in der Kölner Innenstadt zusammen mit den Auberginen brate, ist bei diesen Temperaturen anstrengend genug. Am liebsten würde ich mich gemeinsam mit den Anchovis und dem Büffelmozzarella und dem Sellerie in den Kühlschrank packen. Leider ist der viel zu klein für all das Gemüse und mich. Muss ich also meine Einkäufe sofort verarbeiten und alles aufessen, damit ich später noch eine Chance auf eine kühle Stunde habe – wenn ich zurück von Estella und vom 6. Kölner Reisebloggertreffen bin.

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Eigentlich muss man im Sommer gar nicht kochen. Noch nicht einmal kochen können. Auch wenn das natürlich eine höchst erstrebenswerte, weil ungemein glücklich machende Kernkompetenz ist, reichen während der warmen Jahreszeit zwei Dinge vollkommen aus: Richtig einkaufen und clever kombinieren. Mit guten Ideen aus guten Zutaten sind Augen und Gaumen jetzt schnell zufrieden gestellt, die freie Zeit verbringt ihr am besten im Park oder mit Freunden oder wohin auch immer euer Herz euch trägt.
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 Die Geschichte des Pulpo ist ein Roman mit acht Armen und zwölf Kapiteln, einst ein Buch mit sieben Siegeln, inzwischen längst zu einem Lieblingsschmöker geworden, voller Eselsohren und Fettflecke, und wenn man es zuschlägt, wölben sich die Seiten verräterisch an den Lieblingsstellen. Es sind die Stellen, an denen man verstanden hat, wie man den Pulpo zu nehmen hat, wie man ihn händelt, wie der Pulpo eben so läuft.
Es gibt eine Menge ultimativer Tipps. Ich bevorzuge inzwischen schon wieder die schlichteste aller Methoden, ein ca. einstündiges Bad in sachte simmerndem Wasser, später ein paar scharfe Runden in heißem Öl oder auf dem Grillrost. Von mythifizierten Zubereitungsarten und Märchen wie jenem vom Korken lasse ich gerne die Finger, und auch der Sinn des dreimaligen Tauchsiedens hat sich mir nicht erschlossen. Mag sein, dass es anders geht (ob besser, sei dahin gestellt): Sous-vide, geschmort, im Ofen gebacken oder im Öl confiert. Und vielleicht führt tatsächlich jede dieser Verfahrensweisen zu einem genießbaren oder gar genussvollen Ergebnis.

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Der Juni ist nicht gerade ein typischer Suppenmonat. Wohl aber – wenn ich so auf meine Teller und meine Timeline zurückblicke – ein typischer Möhrenmonat. Zumindest für Cucina Piccina und damit in nicht ganz unerheblicher Weise auch für mich. Mein Verhältnis zu Möhren ist, vorrangig in den Sommermonaten, ein ganz besonderes, weil ich mit ihnen eine Art Neuanfang und das Durchbrechen einer langen Kreativpause zelebriere. Die alte(n) Möhre(n) (aka Blog), die ich, neue Muster strickend, strikt bemustern musste, sind inzwischen jungen, frisch aus der frühsommerlichen Erde gezogenen, herrlich aromatischen Exemplaren gewichen. Aber noch immer passiert es mir, dass ich nicht weiß, was ich schreiben und wie ich anfangen und was ich erzählen soll, obwohl doch bereits ein knackiges Rezept und ein paar feine Fotos stehen.

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Es gibt Tage, an denen ist das Leben so hart wie ein zu lange geröstetes Crostino. Und manchmal so federleicht wie Ricotta. Lange Zeit dachte ich, man könne sich das nicht aussuchen, es kütt wie es kütt und was auf den Tisch kommt, muss gegessen werden. In letzter Zeit fühlt sich das allerdings nur noch wie die halbe Wahrheit an. Irgendwo zwischen Leipzig, Hamburg, München, Göttingen und Köln hat sich so etwas wie eine semipermeable Emotionsmembran in mein Leben eingeschlichen – egal wie aufwühlend oder aufregend (oder aussichtslos) die Dinge gerade auch sein mögen, es gibt immer eine Lösung und einen Moment der Klarheit. Und stets einen regen Austausch zwischen meinem Hirn und meinem Herzen. Am Ende ergänzen sich die Teile zu einem sinnvollen Ganzen, wie ein Puzzle. Oder wie eine mit Buchenpilzen, Ricotta und Brunnenkresse belegte Röstbrotscheibe. Klingt ziemlich komisch. Ist aber so.

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Grüner Spargel und ich, das ist so eine Liebe, die wird nie zu Ende gehen. Amour fou, big love story, Sehnsuchtsattacken und vom begleitenden Riesling vernebelte Erinnerung an legendäre Nächte. Große Emotionen, das große Fressen, die obligatorische Trennung auf Zeit, eine kaum in Worte zu gießende Wiedersehensfreude, die ersten Orgien. Hamsterkäufe.
Und dann: Treueschwüre, Liebesbekundungen, Verlustängste, Trennungsschmerz.
Herzklopfen. Magenziepen!

Ich und du, grüner Spargel, „auf ewig dein“, bis auf dass der Sommer uns scheidet. Und im Frühjahr dann, jedes Frühjahr, beginnt das ganze kulinarische Abenteuer wieder von vorn.

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Meine Woche fängt mit Vogelgezwitscher und Frühlingsgefühlen an. Mit diesem mehr als lieb gewonnenen Kaffee-ans-Bett-Ritual, einem noch sehr frischen, daher noch nicht ritualisierten Home-Office-Programm samt spontaner Arbeitsplatzverlagerung ins Café um die Ecke. Und den Qualen Freuden des Kochens in einer Kombüse. In den letzten Wochen ist die Kölner Kombüse des Kerls zu meinem natürlichen Küchenhabitus geworden, auch wenn ich mich hier und da schwer mit der suboptimalen Ausstattung tue. Also gibt es Suppe. Grüne Zwiebelrahmsuppe oder: sahnig-samtiges Frühlingszwiebelsüppchen. Mit Kresse und Croutons und nach einem Rezept eines alten Bekannten, Sebastian Dickhaut, der schon zu Basic Cooking-Zeiten so manches Mittag- wie Abendessen gerettet hat.

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