Es gibt Tage, an denen ist das Leben so hart wie ein zu lange geröstetes Crostino. Und manchmal so federleicht wie Ricotta. Lange Zeit dachte ich, man könne sich das nicht aussuchen, es kütt wie es kütt und was auf den Tisch kommt, muss gegessen werden. In letzter Zeit fühlt sich das allerdings nur noch wie die halbe Wahrheit an. Irgendwo zwischen Leipzig, Hamburg, München, Göttingen und Köln hat sich so etwas wie eine semipermeable Emotionsmembran in mein Leben eingeschlichen – egal wie aufwühlend oder aufregend (oder aussichtslos) die Dinge gerade auch sein mögen, es gibt immer eine Lösung und einen Moment der Klarheit. Und stets einen regen Austausch zwischen meinem Hirn und meinem Herzen. Am Ende ergänzen sich die Teile zu einem sinnvollen Ganzen, wie ein Puzzle. Oder wie eine mit Buchenpilzen, Ricotta und Brunnenkresse belegte Röstbrotscheibe. Klingt ziemlich komisch. Ist aber so.

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Grüner Spargel und ich, das ist so eine Liebe, die wird nie zu Ende gehen. Amour fou, big love story, Sehnsuchtsattacken und vom begleitenden Riesling vernebelte Erinnerung an legendäre Nächte. Große Emotionen, das große Fressen, die obligatorische Trennung auf Zeit, eine kaum in Worte zu gießende Wiedersehensfreude, die ersten Orgien. Hamsterkäufe.
Und dann: Treueschwüre, Liebesbekundungen, Verlustängste, Trennungsschmerz.
Herzklopfen. Magenziepen!

Ich und du, grüner Spargel, „auf ewig dein“, bis auf dass der Sommer uns scheidet. Und im Frühjahr dann, jedes Frühjahr, beginnt das ganze kulinarische Abenteuer wieder von vorn.

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Meine Woche fängt mit Vogelgezwitscher und Frühlingsgefühlen an. Mit diesem mehr als lieb gewonnenen Kaffee-ans-Bett-Ritual, einem noch sehr frischen, daher noch nicht ritualisierten Home-Office-Programm samt spontaner Arbeitsplatzverlagerung ins Café um die Ecke. Und den Qualen Freuden des Kochens in einer Kombüse. In den letzten Wochen ist die Kölner Kombüse des Kerls zu meinem natürlichen Küchenhabitus geworden, auch wenn ich mich hier und da schwer mit der suboptimalen Ausstattung tue. Also gibt es Suppe. Grüne Zwiebelrahmsuppe oder: sahnig-samtiges Frühlingszwiebelsüppchen. Mit Kresse und Croutons und nach einem Rezept eines alten Bekannten, Sebastian Dickhaut, der schon zu Basic Cooking-Zeiten so manches Mittag- wie Abendessen gerettet hat.

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Mein Atem ist kurz. Nigel Slater hat jedenfalls einen längeren (Atem!). Ich liebe sein Küchentagebuch, ein über Jahre hinweg entstandenes Werk, und lese zur Zeit immer wieder etappenweise darin. Essen als etwas Alltägliches anzusehen und sich nicht ständig darin zu verkünstleln und dafür zu verbiegen, finde ich angesichts der heutigen Flut an atemberaubend schnell wechselnden Food-Trends und heillos überstylten Fotos als ungeheuer befreiend und angenehm. Ein Mann, ein Herd, ein gutes, ehrliches Essen. Genau das mag ich. Übertragen auf meine abendlichen Rituale also: Eine Frau, ein Glas Wein, eine (denkbar schlichte) Zitronentarte. Weiterlesen »


Warum muss ein Käsekuchen eigentlich immer süß sein? Diese salzige Variante mit knallgrünen Erbsen, aromatischen Kräutern und essbaren Blüten ist ein echter Eyecatcher (nicht nur, aber auch auf der Ostertafel) und schmeckt sowohl als Auftakt eines feinen Menüs als auch zum Brunch. Die Basis ist ein Boden aus Haselnüssen und pikanten Crackern, die wie beim klassischen New York Cheesecake zerkleinert und in die Springform gedrückt werden. Darüber kommt eine sämige Ricottamasse und ganz zum Schluss eine üppige Schicht knackiges Grün. Wilder Fenchel, Borretsch, Spitzwegerich, Brennessel, Malve, Klee- und andere Blüten sind meine Favoriten, aber man kann natürlich auch andere Wildkräuter und essbare Blumen verwenden. Wer keine blühenden Landschaften vor der Haustür hat oder sich nicht so recht an die Staßenrandbepflanzung herantraut, freundet sich am besten noch schnell mit dem netten Gemüsehändler auf dem Wochenmarkt an. Der hat im Zweifelsfall auch die dicksten Erbsen. Frisch aus der Schote snacken macht am meisten Spaß.

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Man könnte es sich natürlich einfach machen. Aber einfach ist langweilig. Und wer will das schon sein. Wahre Größe liegt darin, sich ein Ziel zu setzen – und ein halbes Dutzend Umwege zu nehmen. Dann zurückzublicken, Misserfolge und Rückschläge zu akzeptieren und als kleine Abstecher zu verbuchen. Die Ärmel hochzukrempeln und weiterzumachen. Trotzdem mit diesem, eben dem eigenen Weg, irgendwie zufrieden zu sein.
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Kurzes Status Update (Thema Umzug): Ich würde mal sagen dit läuft. Die Uhr tickt zwar und ich habe bis zum finalen LKW-Loading noch ein straffes Packprogramm nach Feierabend auf dem Zettel stehen. Aber der Kerl der Kerle ist ein 1 A Strippenzieher hinter den Kulissen und nimmt mir ganz viel Orga-Arbeit und die Ängste vor dem Zusammenbruch des ambitionierten Zeitplans ab. Trotzdem, wir werden ganz schön schwitzen, wenn am Samstag um 8 Uhr der Lastenkran auf der Bildfläche erscheint. Ihr erinnert euch vielleicht, die Couch musste damals fliegen lernen, um in die Himmelswohnung zu gelangen. Jetzt muss sie die Flügel erneut ausfahren, zusammen mit der Palettenkücheninsel, die ich vor gut einem halben Jahr in meine Küche hineingebaut habe.
Derlei Ästhetikschwergewichte haben leider auch auf dem Papier so ihre Masse und verlangen Sonderbehandlung. Aber wir schaffen das. Das schaffen wir auch noch.
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Seit ich mich am Freitag in der aktuellen Ausgabe der Shape als fleischlose Pflanze wieder entdeckt habe, ist mein Appetit auf Gegrilltes unerträglich groß. Gegrilltes Fleischliches, um genauer zu sein. Schöne Röstaromen, Schenkel, die man abnagen kann, etwas zum lustvollen Kauen und Nachschwelgen. Hmmm! Ich hoffe, jetzt nicht allen vegetarischen Lesern auf die Füße getreten zu sein, aber das ist nun mal die einzig richtige Wahrheit. Auch wenn die nette Redakteurin mich – neben Yotam Ottolenghi, Nicole Just und Attila Hildmann (!!!) – zur kreativen Gemüseköchin gekrönt hat, habe ich auch noch eine andere, dunkle, fleischfressende Seite. In mir steckt nur zu 80% ein Vegetarier, die restlichen 20% fordern ihren verdienten Anteil Fleisch.
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Meine Tage in Göttingen und in meinem alten Job neigen sich allmählich dem Ende zu. Auch wenn meine Vorfreude auf Köln mir täglich das Blut in die Wangen schießen lässt, gibt es natürlich ein paar Dinge, die ich sehr vermissen werde. Lieb gewonnene Kollegen allem voran, die üblichen Scherze und Insiderwitze, die sich in zwei Jahren so einschleichen. Das Vertrautheitsgefühl, um das man anfangs ringt und das man später kaum mehr zur Kenntnis nimmt, weil es sich wie warme Béchamelsauce eine warme Decke über bestimmte Handgriffe und Abläufe und Denkmechanismen gelegt hat. Die überaus fotogene Laderampe mit ihrer cleanen, coolen Industrieoptik, die mir in all der Zeit als Foto-Untergrund treu zur Seite stand.
Und natürlich den Büffelricotta und die vielen leckeren Tomatensughi und die beste Pasta aller Zeiten und die Olivenöle und so weiter.
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Mein überbordender Appetit nach Puntarelle trieb in den letzten Wochen bisweilen seltsame Blüten. Nicht nur, dass ich anfing, Göttingen systematisch nach Cicoria cimata zu durchkämmen und meine sporadischen Funde mit lautem Jubelschrei auf alle Kanäle zu speisen, ich träumte auch nachts weiter von den knackigen, daumendicken Sprossen und hätte mir am nächsten Morgen am liebsten Anchovissauce aufs Frühstücksbrötchen geschmiert. Der Umstand, dass sich die Saison für dieses mein absolutes Lieblingsgemüse allmählich dem Ende zuneigt und die Jagd nach Puntarelle jener nach dem grünen Diamanten gleich, tat sein Übriges. Man begehrt ja bekanntlich immer das am meisten, was man nicht (mehr) haben kann.

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