Jedes Jahr nehme ich mir vor, mir irgendwo rechtzeitig ein wenig Weihnachtsfieber einzufangen. Meistens bleibt es bei einer ganz gewöhnlichen Erkältung oder einem nervigen grippalen Infekt, von der berühmt-berüchtigen X-Mas-Influenza ist bei mir auch Mitte Dezember weit und breit noch nichts zu sehen. Erst kurz vor knapp machen sich eventuell dann doch noch leichte Symptome dieses ziemlich vereinnahmenden Virus bemerkbar, ich brauche dann auf einmal ganz viele Kerzen und Wattebauschgirlanden und einen mit goldenem Masking Tape an die Wand geklebten Fake-Weihnachtsbaum. Und ich stehe stundenlang in der Küche und mache fünf vor zwölf noch hausgemachte Kleinigkeiten und schnüre Foodpakete und bringe mich mit heißem Lumumba in Fahrt. Das mag ich dann doch am Winter- und Weihnachtszirkus: Kakao mit Schuß. Und das man andere Menschen beschenken kann.
Weiterlesen »

Irgend jemand hat meinem Advent ein paar Türchen geklaut. Ich weiß nicht genau, wer es war, aber da fehlen definitiv ein paar in meinem Kalender. Der ist nun aber auch schon etwas eingerostet, das ein oder andere Kästchen knarzt und klemmt, an anderen fehlt der Griff und ich bin nicht sicher, ob er überhaupt befüllt ist. Befüllt mit Zeit, genau um diese geht’s, die ist mir ohnehin viel kostbarer als Schokoladenmänner oder Plätzchen oder was man sonst so goldfadenverschnürt in 24 Tage packt.

Weiterlesen »

 Der Herbst, ok, auch der gerade einsetzende Winter, sie wären wohl nur ein müder Abklatsch ihrer selbst, eine verblichene Kopie aus einem abgelaufenen Kalenderblatt, ohne nicht wenigstens ein bauch- und seelenschmeichelndes Kürbissuppenrezept. Allein das satte Leuchten der orangerot gefüllten Schüsseln wirkt in Sekunden und verspricht … ja, was eigentlich? Einigen wir uns auf das sofortige Einsetzen dieses wohlig-warmen Gemütlichkeitsgefühls, das auch schummriges Kerzenlicht, der Duft frisch gebackenen Brots und die olle, schrecklich fusselnde, aber superweiche Kuscheldecke bei uns auslösen.
Weiterlesen »

„Fritta è buona anche una ciabatta“, sagte einst mein Mitbewohner Vincenzo in Florenz, was in etwa so viel bedeutet wie „frittiert schmeckt so gut wie alles, sogar die Hauspantoffeln“. Der Spruch stammt allerdings nicht von ihm, sondern von Pellegrino Artusi, jenem toskanischen Literaturkritiker und Feinschmecker aus dem 19. Jahrhundert, der es mit seinem – übrigens anfänglich auf eigene Kosten publizierten – Buch „La scienza in cucina e l’arte di mangiar bene („Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens“,) zu nicht unerheblichem Ruhm und Ehre brachte. Artusis umfassende Sammlung traditioneller Rezepte aus ganz Italien ging schnell durch die Decke und ist bis heute ein wichtiges Standardwerk. Der Mann gilt als Begründer der italienischen Nationalküche und als treibende Kraft eines neu entstehenden kulinarischen wie sprachlichen Einheitsgefühls. Fish & Chips („Pesche fritto con patatine“) standen wohl eher nicht in seinem gastrosophischen Wälzer der Extraklasse. Und ich, also ich so ganz alleine, hätte mir dieses Gericht wohl selbst auch niemals auferlegt.

Weiterlesen »


Im Leben gibt es eine einfache Regel: Wenn etwas aus dem Lot zu kommen scheint, dann atme tief durch und mache ein paar Bo La Lot. Man muss die Hürden und Barrieren und diese nervigen Steine, die die nächste Etappe und die Atemwege verstopfen, einfach um den kleinen Finger wickeln. Wenn man mich fragt, sind Wildbetelblätter in solchen Lebenslagen oftmals sogar die bessere Wahl.
Weiterlesen »

Montags mach’ ich Minestrone …

 

… natürlich ginge es zur Not auch ohne. Allerdings, was wäre das (Alltags-)Leben bloß ohne die Glück und Kraft spendende Wirkung einer dampfenden Schüssel Gemüsesuppe? Für meinen derzeitigen Arbeitgeber Viani entstand vergangene Woche dieser italienische Eintopfklassiker mit viel Petersilie, Parmesan und verschiedenen Hülsenfrüchten darin. Kurz vor dem Tauchbaden des Löffels kam ein ordentlicher Schuss des frisch eingetroffenen Olio Fresco dazu. Das erste Öl unseres abruzzesischen Olivenölbauern Ursini ist der Knaller, kaltgepresst und ungefiltert, von grasgrüner Farbe, vor allem aber samtig, ach was sag ich: cremig, fruchtig und mit einer perfekt eingebundenen Schärfe und feinen Bitternote im Mund.
Weiterlesen »

 

Der Vorsatz, mal für ein paar Wochen kleinere Brötchen Omelettes zu backen und dafür ein wenig in mich zu gehen, wurde bereits Anfang des vergangenen Monats aus den Angeln gehoben. Ich hatte Geburtstag und gegen meine Gewohnheit, diesen Tag eher unspektakulär zu begehen, sah ich mich auf einmal auf einer zweitägigen Party nach Art einer türkischen Hochzeit wieder, inklusive blau getanzter Fußnägel und wilder Umarmungen und Tränen der Rührung, als der harte Kern der Truppe in der winzigen Bude meines Freundes irgendwann zu singen anfing. Man kann über Köln sagen was man will, aber die Kölner, nee, auf die Kölner lass’ ich nichts kommen. Wenngleich auch manchmal ein etwas rauer Wind durch Ehrenfeld weht, so pfeift er dabei wenigstens die Musik, die ich liebe. 

Weiterlesen »

Die Woche beginnt mit einem Rezept, das ich seit Herbstbeginn ungefähr 15 Mal getestet habe. Irgendwie musste ich vor mir und meinem Gewissen ja rechtfertigen, dass es schon wieder Flammkuchen gibt. Mit Speck! Und Schmand!! Und Federweisser!!! Es waren nicht die schlechtesten Versuchsreihen, oh nein. Aber immer bestand nach erfolgreich absolvierter Eliminierung des Versuchsobjekts bei der anschließenden Evaluation unter Federweissereinwirkung noch ein flammkuchenteigdünner Restoptimierungsbedarf. Das schlussendliche Ergebnis des Forschungsprojekts wird meine Ausgaben für Walnussmehl und Strom ordentlich in die Höhe treiben. So lange es noch geht außerdem auch jene für Steinpilze, Pfifferlinge und Co. Aber wer braucht schon einen vollen Geldbeutel, wenn er ein volles Herz und einen vollen Magen haben kann?

Weiterlesen »

Help! Wer hält für mich bitte kurz das Kettenkarrusell des Lebens an? Ich hänge gerade in der Arbeits- und Freizeitstressschleife fest und komme vor lauter Einsteigen-Aussteigen nicht dazu, die vielen neuen Rezepte und Erlebnisse der letzten Wochen aufzuschreiben – selbst wenn das ein oder andere Foodpic längst im Kasten ist und sehnlichst auf die Bühne möchte. Eines davon schlummert schon ein wenig länger in der Reservekiste: Es ist schlicht und ergreifend das Side Dish, das Simone und ich um unseren vierten Gang beim Summer of Supper herumgebaut haben. Und ich finde, es verdient auch ohne das Sous Vide gegarte Rumpsteak in der Hauptrolle einen kräftigen Applaus – schließlich hat sogar der kichererbsenkritische Kerl an meiner Seite das mit viel Chlorophyll in Szene gesetzte Hummusgericht ohne Murren mit großem Appetit verspeist.
Weiterlesen »

 

Trends und ich. Es ist eine Hassliebe. Natürlich weiß ich, was kulinarisch gesehen gerade ein MUST ist. Aber genau da fängt bei mir die Schwierigkeit schon an. In MUST steckt müssen, und wenn es um meine Freizeit geht, reagiere ich auf allzu viele Verpflichtungen ein wenig allergisch. Boykott ist manchmal der erste Impuls, gefolgt von einer kritisch-vorsichtigen Testrunde. Erst dann, wenn mich das Ergebnis wirklich überzeugt, hole ich das Surfbrett raus und reite ein wenig auf der Modewelle mit. Weiterlesen »