Jedes Jahr, von Januar bis Anfang März, tritt die Zitronatzitrone ihren Weg über die Alpen an – und wandert direkt in meine Küche. Von dort aus in mein Herz. Der Weg ist lang, sie startet in Sizilien oder Kampanien, wo sogar ein ganzer Küstenabschnitt, die Costa dei Cedri, nach ihr benannt ist. Die Früchte für diese nette, kleine Vorspeise dagegen stammen von der Amalfiküste. Oder besser gesagt: Diese Frucht, es war nämlich nur eine. „Damals“, im März anno 2104, bin ich auf die wohl größte Cedro meines Lebens gestoßen, in einer kleinen Bar direkt an der Piazza von Agropoli. Mitten im Herzen des Cilento. War natürlich Liebe auf den ersten Blick.

Da gibt es dieses Beweisfoto, das mich immer wieder zum Schmunzeln bringt. 

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Die nettesten Foodblogger bekommen die schönsten Kartoffeln. Das ist eine etwas holprige Binsenweisheit, aber wer seine Lebensmittel beim Bauern seines Vertrauens, auf dem Wochenmarkt oder in einer Provinzstadt besorgt, weiß um deren Wahrheit – das zeigt immer wieder der Praxistest. Frische Burrata? Kann ich auf Wunsch vorbestellen. Brunnenkresse? Ergattere ich mit ein wenig Glück bei meiner Kräuterhexe. Für die indischen Auberginen ist der winzige, von einem etwas abgehalfterten Pakistani leger geführte Tante-Emma-Laden ein paar Häuser weiter zuständig. Maronen führt der Öko-Laden am Wall, den Südtiroler Speck lasse ich mir von unserem italienischen Feinkostladen hauchdünn aufschneiden. So.
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Von der Hand in den Mund haben es hier ja schon viele Gerichte in Lichtgeschwindigkeit geschafft, aber vom Teller auf den Blog? Das dauert meist. Hin und wieder aber gibt es Kombinationen, die mich so begeistern, dass ich sie so rasch wie möglich mit euch teilen möchte. Diesen Artischockensalat mit Trüffeln haben wir gestern Abend zubereitet. Geshootet wurde heute, die Reste, in der Mittagspause. Ich glaube, so langsam habe ich alle Untergründe auf dem Firmengelände durch.

Das Besondere an diesem Salat ist seine absolute Perfektion und seine umwerfend elegante Schlichtheit. Wenn man bei Trüffeln von Schlichtheit sprechen kann. Auch Artischocken gelten bei uns als kleiner Luxus. In Italien dagegen sind sie in manchen Regionen fast ein Grundnahrungsmittel, dort isst man Artischocken wie hierzulande Karotten oder Kartoffeln. Ich bin ein riesiger, wenn nicht sogar deutschlandweit der größte Artischockenfan.

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Auch wenn es hier gerade etwas stiller zugeht und verdächtig nach Faulenzerei und Laissez faire aussieht: Im Hintergrund bin ich gerade fleißig. Fett im Arbeitsmodus. Ich habe die Ärmel hochgekrempelt. I just go with the flow. In wenigen Wochen soll hier alles anders aussehen, ich muss mich also ganz schön ranhalten. Der erste Schritt ist schon gemacht, die Basis steht, es gibt ein neues Logo, ein neues Layout, ein paar neue, knackige Ideen. Jetzt muss der alte Lack nur noch abgeschmirgelt werden, damit der neue drauf kann. Ich bin dann mal in der Nachtschicht. Nicht ohne mein Nervenfutter natürlich. Kartoffelchips waren gestern, hier kommen KartoffelSCHALENchips.

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Eigentlich habe ich ja gar keine Lust auf schlanke Kost, auch und erst Recht nicht nach den mit tausendundeins Köstlichkeiten angefüllten letzten Wochen. Trotzdem beginnt mein Bloggerjahr mit einer Single-Portion Salat, immerhin einem meiner Top 5-Wintersalate: Ein Teller voll mit knackigem Fenchel, aromatischen Blutorangen, knusprigen Mandeln und einem herrlich sämigen, fruchtig-herben Sanddorndressing. Seit gestern hänge ich wieder in der Provinz ab, just me and myself, eine Tatsache, die mir im Gegensatz zu diesem feinen Seelentröster nicht unbedingt schmeckt, die aber unervermeidlich ist. Job ist immer noch Job, und auch wenn mein Herz längst in Köln weilt, haben Körper und Geist nach wie vor dort ihren Dienst zu erfüllen, wo ich vor fast zwei Jahren hingezogen bin. 

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The final countdown: Silvester-Phở

Ich bin nicht gerade der klassische Silvestertyp. Groß angekündigte Ereignisse mit Tusch, Böller und Trara lösen in mir oft das Bedürfnis aus, lieber im Kleinen, Stillen zu feiern und die ganze Sache mit der Sause auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Dieses Jahr allerdings muss mal wieder eine standesgemäße Neujahrshuldigung sein, wir begießen das alte ganz ungezwungen in kleiner, feiner Runde und betanzen das neue in etwas größerer. Und ich habe tatsächlich Lust darauf: Auf das Lichtermeer am Himmel, auf die Explosion der Sinne und auf das ein oder andere Feuerwerk in all unseren Herzen, wenn man sich umarmt und gemeinsam in eine neue Runde rüberschwappt.

Man muss das mögen. Ich finde, das steht nicht jedem Jahr. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann der kollektive Rummel doch ganz unterhaltsam sein.

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Jedes Jahr nehme ich mir vor, mir irgendwo rechtzeitig ein wenig Weihnachtsfieber einzufangen. Meistens bleibt es bei einer ganz gewöhnlichen Erkältung oder einem nervigen grippalen Infekt, von der berühmt-berüchtigen X-Mas-Influenza ist bei mir auch Mitte Dezember weit und breit noch nichts zu sehen. Erst kurz vor knapp machen sich eventuell dann doch noch leichte Symptome dieses ziemlich vereinnahmenden Virus bemerkbar, ich brauche dann auf einmal ganz viele Kerzen und Wattebauschgirlanden und einen mit goldenem Masking Tape an die Wand geklebten Fake-Weihnachtsbaum. Und ich stehe stundenlang in der Küche und mache fünf vor zwölf noch hausgemachte Kleinigkeiten und schnüre Foodpakete und bringe mich mit heißem Lumumba in Fahrt. Das mag ich dann doch am Winter- und Weihnachtszirkus: Kakao mit Schuß. Und das man andere Menschen beschenken kann.
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Irgend jemand hat meinem Advent ein paar Türchen geklaut. Ich weiß nicht genau, wer es war, aber da fehlen definitiv ein paar in meinem Kalender. Der ist nun aber auch schon etwas eingerostet, das ein oder andere Kästchen knarzt und klemmt, an anderen fehlt der Griff und ich bin nicht sicher, ob er überhaupt befüllt ist. Befüllt mit Zeit, genau um diese geht’s, die ist mir ohnehin viel kostbarer als Schokoladenmänner oder Plätzchen oder was man sonst so goldfadenverschnürt in 24 Tage packt.

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 Der Herbst, ok, auch der gerade einsetzende Winter, sie wären wohl nur ein müder Abklatsch ihrer selbst, eine verblichene Kopie aus einem abgelaufenen Kalenderblatt, ohne nicht wenigstens ein bauch- und seelenschmeichelndes Kürbissuppenrezept. Allein das satte Leuchten der orangerot gefüllten Schüsseln wirkt in Sekunden und verspricht … ja, was eigentlich? Einigen wir uns auf das sofortige Einsetzen dieses wohlig-warmen Gemütlichkeitsgefühls, das auch schummriges Kerzenlicht, der Duft frisch gebackenen Brots und die olle, schrecklich fusselnde, aber superweiche Kuscheldecke bei uns auslösen.
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„Fritta è buona anche una ciabatta“, sagte einst mein Mitbewohner Vincenzo in Florenz, was in etwa so viel bedeutet wie „frittiert schmeckt so gut wie alles, sogar die Hauspantoffeln“. Der Spruch stammt allerdings nicht von ihm, sondern von Pellegrino Artusi, jenem toskanischen Literaturkritiker und Feinschmecker aus dem 19. Jahrhundert, der es mit seinem – übrigens anfänglich auf eigene Kosten publizierten – Buch „La scienza in cucina e l’arte di mangiar bene („Von der Wissenschaft des Kochens und der Kunst des Genießens“,) zu nicht unerheblichem Ruhm und Ehre brachte. Artusis umfassende Sammlung traditioneller Rezepte aus ganz Italien ging schnell durch die Decke und ist bis heute ein wichtiges Standardwerk. Der Mann gilt als Begründer der italienischen Nationalküche und als treibende Kraft eines neu entstehenden kulinarischen wie sprachlichen Einheitsgefühls. Fish & Chips („Pesche fritto con patatine“) standen wohl eher nicht in seinem gastrosophischen Wälzer der Extraklasse. Und ich, also ich so ganz alleine, hätte mir dieses Gericht wohl selbst auch niemals auferlegt.

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